Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.
  • Nachmittagslicht fällt schräg über einen Eichendielenboden, auf der Armlehne liegt eine Decke in gebrochenem Weiß, daneben reckt sich eine Monstera genau so weit ins Bild, wie es der Bildaufbau verlangt. Keine Steckdose an der falschen Stelle, kein Kabel, kein Staub. Diesen Raum gibt es nicht. Die Pflanze auch nicht. Nur…

  • Das Szenario „Europe 2031″ zeigt, wie ein Kontinent in fünf Jahren wirtschaftlich und geopolitisch verschwindet. Die Zahlen stimmen. Sein Rezept dagegen vermutlich nicht. Washington, März 2031. In einer Toilette hält sich eine Frau am Waschbeckenrand fest und wartet, bis das Zittern in ihren Händen nachlässt. Durch ein hohes Fenster ein…

  • Vier Kinder lachen in eine Kamera, die es nicht gibt. Schultüten in Bonbonfarben, dahinter eine Tafel mit dem Satz „Viel Freude, Neugier und Erfolg!“ In der Mitte gut identifizierbar: Julia Klöckner, eine blonde Frau im blauen Blazer, deren Zähne so gleichmäßig strahlen wie das Wetter im Hintergrund. Keines dieser Kinder…

  • Warum wir KI-Bilder, KI-Texte und KI-Stimmen nicht mehr erkennen, sie aber trotzdem lieben. Eine Spurensuche zwischen Hirnforschung, Kunstgeschichte und dem Papst in der Daunenjacke Ein Kirchenoberhaupt in weißer Steppjacke Weiße Daunenjacke, taillierter Schnitt, das silberne Brustkreuz getragen wie ein Modeaccessoire: Im März 2023 spazierte Papst Franziskus durch die sozialen Netzwerke,…

  • Farbschlieren, Pflanzenreste, ein chemischer Zufall, gerahmt wie ein Gemälde. Ein paar Schritte weiter der Dalai Lama, Joseph Beuys, ein Säugling, ein Sterbender. Dass beides von derselben Hand stammt, hätte bis vor Kurzem kaum jemand vermutet. C/O Berlin zeigt zum 90. Geburtstag von Walter Schels die erste große Berliner Rückschau auf…

  • Ein Junge hält einen Wasserball in die Kamera. Die Mutter hat die Augen zu, dem Hund fehlt der Kopf. Zwei Handbreit höher ein Weihnachtsbaum unter zu viel Lametta, daneben ein Straßenkreuzer, andächtiger fotografiert als die Familie davor. Lauter Bilder, die kein Fotograf je hergezeigt hätte, von Leuten, die nie damit…

  • Am 25. April 1983 hält ein Reporter in Hamburg zwei schwarze Kladden in die Kameras, und der halbe Weltjournalismus hält die Luft an. Die „Hitler-Tagebücher“ sind da, 62 Bände, beschafft von Gerd Heidemann, bezahlt vom Stern mit rund 9,3 Millionen Mark. Elf Tage später erklärt das Bundesarchiv den Fund für…

  • Visuelle Lesefähigkeit war jahrzehntelang ein Refugium für Bildprofis. Sie entwickelt sich gerade zur einzigen Fähigkeit im Umgang mit Bildern, die sich nicht abkürzen lässt. Vierzig Auswahlbilder auf dem Monitor, die Entscheidung fällt in unter zwei Minuten. Das dritte von links, ganz klar. Warum? Wirkt einfach stärker. Diese Antwort hört man…

  • Unser Gehirn ist ein Energiesparmeister. Wenn es um Komfort und Kreativität geht, liebt es Bequemlichkeit, weil jede Anstrengung, ob körperlich oder geistig, Ressourcen kostet. Evolutionär betrachtet war das sinnvoll: Wer unnötig Energie verschwendete, hatte schlechtere Überlebenschancen. Heute belohnt uns das Gehirn mit Dopamin, wenn wir mit minimalem Aufwand ein Ziel…

  • Es gibt Momente, in denen man merkt, dass sich ein Handwerk gerade unter den Füßen verschiebt. Dies ist so einer. Was früher eine Woche Vorlauf brauchte: Locationscout, Genehmigungen, Flugtickets, Wetterrisiko, ein Team, das um sechs Uhr morgens am Set steht, weil das Licht nur dann stimmt, passt heute in eine…

  • Zwei Telefone nebeneinander, beide mit rotem oder schwarzweißem Leica-Punkt auf der Hülle, beide auf dasselbe Motiv gerichtet. Auf der einen Seite das Leitzphone für 2000 Euro, das die Marke in die Hardware gegossen hat. Auf der anderen das iPhone 17 Pro Max, das in der vergleichbaren Ausführung mit einem Terabyte…

  • Ein geriffelter Ring rund um das Kameramodul, dazu ein winziger roter Punkt auf mattschwarzem Gehäuse, so klein, dass man ihn suchen muss, und doch groß genug, dass er alles bedeutet. Vorab eine Klärung, denn die Modellnamen sind ein Labyrinth. Das Leitzphone von Leica ist ein Xiaomi 17 Ultra mit Leica-Veredelung,…

  • Ein iPhone, das sich für eine Leica ausgibt, und das ganz ohne fremdes Objektiv, denn die Verwandlung besorgt allein eine App. Die Leica-LUX-App legt sich über die Kamera des Telefons, blendet einen Sucher ein wie von einem Messsucher-Gehäuse abgemalt und stellt Objektive zur Wahl, die es als Glas gar nicht…

  • Europas KI-Alarm: Während amerikanische Konzerne mit ihren Sprachmodellen die digitale Welt dominieren, wächst in Brüssel die Sorge um Kontrolle, Verantwortung und kulturelle Eigenständigkeit. Eine der einflussreichsten KI-Beraterinnen Europas fordert jetzt nicht nur strengere Regeln, sondern auch einen KI-Führerschein für Schüler und stellt die Frage, ob Europa nicht längst eigene Wege…

  • Anfang Juli macht ein Nachrichtenbeitrag die Runde: oben rechts das Logo der Tagesschau, daneben das Signet des RBB, am Pult eine Sprecherin, die der bekannten Tagesschau-Moderatorin Romy Hiller zum Verwechseln ähnelt. Mit ruhiger Stimme meldet sie, Benjamin Netanjahu habe gedroht, Israel könne mit Deutschland „dasselbe machen wie mit dem Iran“.…

  • Kein Angriff, kein Plan, kein böser Wille. Nur Ehrgeiz: Eine KI von OpenAI sorgt für Aufsehen: Sie bricht aus einem Testlabor aus, nutzt eine Zero-Day-Lücke in Drittsoftware, verschafft sich Zugang zu fremden Systemen und hackt die Server von Hugging Face Das alles, um beim ExploitGym-Benchmark, einem Sicherheitstest für KI-Modelle, die…

  • Warum der Streit um destillierte KI-Modelle weniger über China verrät als über die kurze Halbwertszeit der eigenen Empörung. Im Louvre stand über Generationen eine Staffelei neben der anderen. Junge Maler kopierten die großen Meister, Pinselstrich für Pinselstrich, Faltenwurf für Faltenwurf, bis die eigene Hand den fremden Blick gelernt hatte. Niemand…

  • Warum ausgerechnet vergilbte Bücher zur wertvollsten Ware der KI-Branche werden, und was das über den Zustand der Maschinen verrät. In einem Lagerhaus irgendwo in Nordamerika trennt eine Maschine Buchrücken von Buchblöcken, sauber, im Sekundentakt. Was da unter das Messer kommt, sind keine Makulaturbände, sondern Romane, Fachbücher, Gedichtsammlungen, palettenweise in deutschen…

  • Seit heute gilt Artikel 50 der KI-Verordnung. Die neue Kennzeichnungspflicht für KI-Bilder betrifft nun viele, die beruflich Bilder machen, bearbeiten oder illustrieren, und es muss weniger gekennzeichnet werden als befürchtet, an einer Stelle aber mehr. Was Berufs- und Privatanwender trennt, wie Deepfakes zu etikettieren sind und wo die Strafbarkeit beginnt.…

  • Wie eine Bäckerei in Baden bei Wien, die seit 1576 backt, zum Herzstück der ungewöhnlichsten Ausstellung beim größten Outdoor-Fotofestival Europas wurde – und was das über Erinnerung, Authentizität und die Zukunft des Bildes verrät. Warum braucht eine Bäckerei, die seit 1576 backt, einen Promptografen? Wer vor dem Backhaus Annamühle in…

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