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Workshop: Fotogramme




Fotogramme gehören zum Grundrepertoire analogen Dunkelkammerschaffens. Jeder, der einmal im Schwarzweisslabor gearbeitet hat, kennt den Vorgang: Man nimmt ein unbelichtetes Blatt Fotopapier, verteilt darauf ein paar Gegenstände und schaltet kurz das Deckenlicht ein. Nach der Entwicklung sieht man eine Art negativen Schattenriss der belichteten Objekte. Wo das Material lichtundurchlässig war, bleibt das Papier weiss, unbedeckte Stellen werden schwarz und die teildurchlässigen Bereiche bilden interessante Muster. Es entstehen fotografische Bilder ganz ohne Kamera oder Film. Dieses Verfahren ist fast so alt wie die Fotografie selber. Sprach man anfänglich noch von fotogenetischen Zeichnungen, hat sich spätestens mit der künstlerischen Wiederentdeckung dieser Technik in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts die Bezeichnung Fotogramm etabliert. Damals begeisterte sich die kreative Avantgarde der zeitgenössischen Künstler für alle Methoden, bei denen der Zufall maßgeblich an der Entstehung eines Kunstproduktes beteiligt war. Zu dieser Zeit nahm das Fotogramm eine Schlüsselposition zwischen der Malerei und der Fotografie ein. Berühmte Künstler wie der Schweizer Dadaist Schad, der Amerikaner Man Ray oder der dem Bauhaus nahestehende Ungar Moholy-Nagy bedienten sich des Fotogramms als einer surrealistischen Ausdrucksform. Wer also heute seinen Flachbettscanner zweckentfremdet, befindet sich - kunsthistorsch gesehen - in bester Gesellschaft. Doch bevor es losgeht, sind noch ein paar Vorbereitungen zu treffen: Entfernen Sie den Deckel ihres Scanners, schichten Sie rechts und links daneben Bücher, Videokassetten oder Zeitschriften auf, bis diese Stapel die Scanneroberfläche gleichmäßig gut zehn Zentimeter überragen. Den Aufbau garnieren Sie mit einem großen Spiegel, damit der Hintergrund der Objektscans weiß wird. Wer zudem auf einen weichen Schattenwurf der Scannobjekte Wert legt, ist gut beraten, die Stapel etwas höher anzulegen und ein paar Zentimeter unterhalb des Spiegels eine Milchglasscheibe zu platzieren.


Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken. Registrierte Mitglieder können das Arbeitsmaterial über den Link unterhalb des Workshops herunterladen.



Klassische Fotogramme

Auch wenn das Ergebnis ein Graustufenbild ist, sollten Sie - sofern Ihr Scanner das erlaubt – das Ausgangsbild farbig einlesen. Erschrecken Sie sich nicht, wenn die dabei entstehende Farbgebung nicht gerade brillant wird. Das liegt ebenso in der Natur der Sache wie der farbverfremdende Einfluss von Umgebungslicht und die farbliche Reflexionen der stützenden Materialstapel an den Seiten. Perfektionisten können über den oben beschriebenen Aufbau hinaus auch an den Seiten noch weitere Spiegel anbringen und den Scan in einem verdunkelten Raum vornehmen. Doch lassen sich Farbstiche mit der Bildbearbeitungssoftware - wie im folgenden gezeigt - auch ohne diese Maßnahmen weitestgehend wieder entfernen.



Am einfachsten und effektivsten entfernen Sie die störenden Hintergrundverfärbungen mit der Gradationskurve. Dazu verschieben Sie den Weißpunkt solange in Richtung Schwarz, bis die grauen Schatten kaum noch sichtbar sind. Damit das ganze nicht so hart ausfällt, korrigieren Sie auch die Mitten ein wenig.



Die eigentliche Umwandlung des Farbbildes in eine Graustufenversion nehmen Sie idealerweise mit dem Dialog „Kanalmixer“ vor, den Sie im Photoshop im Menü „Bild“ unter „Einstellen“ aufrufen. Damit läßt sich die Verteilung der Information aus den unterschiedlichen Farbkanälen sehr genau steuern. Wer mit anderen Programmen arbeitet, muss auf diesem Luxus der kontrollierten Umwandlung verzichten und entfernt einfach die Sättigung oder ändert den Farbraum.



Mit dem Befehl „Umkehren“, der sich auch im Menü „Bild“ unter „Einstellen“ finden läßt, verwandeln Sie das Bild in sein Negativ. Und schon ist das klassische Fotogramm fertig.



Nachbearbeitung

Doch warum sollte man Fotogramme mit einem teuren Computer und hochwertiger Software erzeugen, die sich auch mit Fotopapier, Entwickler- und Fixiererchemie sowie ein paar Plastikschalen für kleines Geld in der heimischen Küche anfertigen ließen, wenn man da nicht noch ein bisschen weiter daran herummanipulieren wollte. Schon ganz einfache Eingriffe haben spannende Auswirkungen und bringt man dann noch ein wenig Farbe mit ins Spiel, wird das ganze auch noch außerordentlich plakativ. Was Ihre Software dazu beherrschen muss, sind Gradationskurven, Verläufe und Ebenentechnik. Alles Standards, die die meisten Produkte heute bieten.



Wenn Sie nach dem Aufruf des Gradationskurven- dialogs zu den zwei bereits vorhandenen Punkten per Klick vier weitere hinzufügen und diese wie gezeigt verschieben, entspricht der Effekt dem einer Solarisation. Um diesen Effekt - natürlich auch stark zufallsabhängig - zu erzeugen, hätte man im analogen Labor das Licht erneut angeschaltet, während das Bild im Entwicklerbad liegt.



Zur Koloration des Fotogramms gibt es unterschiedliche Wege. Möchten Sie in dezenter Form einen monochromen Farbton hinzufügen, rufen Sie den Dialog „Farbton/ Sättigung“ auf, aktivieren den Schalter „Färben“ und wählen über die Regler „Farbton“ und „Sättigung“ die Grundfarbe und ihre Intensität fest.



Wem das noch nicht bunt genug ist, der kann, nachdem er eine neue, leere Ebene erzeugt hat, auf diese einen farbenprächtigen Verlauf auftragen. Damit sich dieser mit dem Hintergrund mischt, muss allerdings der Verrechnungsmodus der Ebene geändert werden (hier: „Multiplizieren“).



Zur Abstimmung des Verlaufs kann man nun auch wieder die Pseudosolarisation über die Gradationskurven bemühen. Damit Sie die Farbgebung bei der späteren Ausgabe auf dem Drucker nicht enttäuscht, sollten Sie jedoch das Bild vorher in den CMYK-Farbraum konvertieren oder zumindest die Druckfarbenvorschau im Menü „Ansicht“ unter „Vorschau“ aktivieren.


von Christoph Künne

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