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Workshop: Bildrettung



Selbst in Zeiten kameratechnischer Vollcomputerisierung passieren solche Fehler. Ein ganzer Film unterbelichtet, nur weil man sich irgendwo in den vielen Einstelloptionen verheddert hat. Natürlich merkt man bei analogen Fotoapparaten solche Fehlfunktion nicht am Ort der Aufnahme, sondern erst viel später, wenn sich die Bilder nicht mehr wiederholen lassen. Wer nicht über einen PC mit Bildbearbeitungssoftware verfügt kann das zu dunkel geratene Bildmaterial kann man eigentlich nur noch wegwerfen. Der erfahrene Blick des Fotografen erkennt die Hoffnungslosigkeit einer teuren analogen Nachbearbeitung im klassischen Fotolabor sofort. Und so richtig gut, dass die hohe Ausgabe lohnen würde, sind die Bilder meist nicht.


Mit einem bildbearbeitungsfähigen PC auf dem Schreibtisch kann man allerdings ohne große Kosten noch ein wenig mit den Fotos herum experimentieren. Dabei tun sich manchmal ganz neue Möglichkleiten auf. Das ist dann ungefähr so, als würde man Bilder im Labor mit speziellen Objektivlinsen und Verlaufsfiltern nach bearbeiten. Nur viel schneller, ohne Chemie und bei Tageslicht. Wer sich zudem von der Idee freimacht, das Bild müsste das wiedergeben, was er beim Fotografieren gesehen hat, kann mit ungewöhnlichen surrealen Lichtstimmungen spielen. Was am Ende herauskommt, erkennt auch der Laie als manipuliertes Bild. Doch wenn eine in technischer Hinsicht eigentlich unbrauchbare Fotografie als Fotografik zu neuen Ehren gelangt, läßt sich die damit einhergehende erkennbare Künstlichkeit durchaus in Kauf nehmen. 

In diesem Workshop lernen Sie die Tricks und Kniffe der Ebenentechnik von Photoshop, die Sie in solchen Bearbeitungssituationen effektiv zum Einsatz bringen können.


Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken. Registrierte Mitglieder können das Arbeitsmaterial über den Link unterhalb des Workshops herunterladen.



1. Farbgebung neutralisieren


Die erste Maßnahme gegen die weitverbreitete Dunkelheit im Bild besteht im Aufrufen des Dialogs zur "Tonwertkorrektur" im Menü "Bild" unter "Einstellen". Wenn Sie hier den Gammawert auf etwa 1,70 verschieben, ändert sich die Stimmung schlagartig von einem verregneten Abend in einen regnerischen Spätnachmittag.






Schwache Kontraste bleiben allerdings kennzeichnend für das Bild. Von einer - zugegebenermaßen naheliegenden - Verschiebung des Lichterwertes sollten Sie absehen, da Sie zwar so auf den ersten Blick die Kontraste verstärken, aber damit einhergehend natürlich auch den Tonwertumfang radikal reduzieren. Als hässlicher Nebeneffekt tritt zusätzlich noch eine Farbverschiebung an der Wolkenkante auf.



Sie kriegen die Farbgebung in den Griff, wenn sie in der Ebenenpalette die Hintergrundebene durch Ziehen auf das Abreißblocksymbol am unteren Palettenrand duplizieren. Die Kopie der Hintergrundebene bearbeiten Sie mit dem Dialog "Farbton/ Sättigung". Hier regeln Sie den Sättigungswert auf etwa "-50" herunter.



Nun duplizieren Sie die Hintergrundebene erneut, verschieben die neu erzeugte Ebene ganz nach oben und setzten den Verrechnungsmodus der Ebene auf "Farbig nachbelichten".

Als Effekt erhalten Sie neutrale Farben im unteren Bereich des Bildes. Alles oberhalb der Treppe bleibt jedoch ein wenig fad. Der Rest der Wolken hat sich sogar in unschöne Farbartefakte verwandelt.



Die Feinabstimmung des Vordergrundes nehmen Sie auf der zuletzt erzeugten Ebene mit Hilfe der Gradationskurven vor. Durch leichte Anhebung der Mitten des RGB-Helligkeitswerts heben  Sie die Erkennbarkeit der Gesteinsstruktur und die Leuchtkraft der beiden Damen im Vordergrund deutlich an.



Im Blaukanal mindern Sie gleich anschließend den Helligkeitswert, wodurch sich das Licht gelblich erwärmt.


2. Farbverlaufshintergrund




Zur farblichen Gestaltung des Hintergrundes duplizieren Sie nun erneut die Hintergrundebene, legen das Duplikat obenauf und rufend den Dialog "Farbton Sättigung" auf. Dort aktivieren Sie den Schalter "Färben" und bestimmen mit dem Farbton- und dem Sättigungsregler die grundsätzliche neue Hintergrundfarbgebung.



Durch Anlegen einer Ebenenmaske, auf der Sie einen Schwarzweißverlauf aufziehen, beschränken Sie die Färbung auf den oberen Bildbereich.



Den Verlauf beginnen Sie am oberen Ende der Treppe und ziehen ihn ein kurzes Stück weit in das Gebäude hinein. So erhalten Sie einen kurzen aber weichen Übergang. Ziehen Sie zum Abschluss die Ebenenmaske auf das kleine Mülleimersymbol am unteren Rand der Ebenenpalette und bestätigen Sie den folgenden Fragedialog mit "Anwenden".



Intensivieren lässt sich der Effekt, indem Sie wiederum eine Hintergrundebenenkopie anlegen und ganz nach oben verschieben. Dann klicken Sie auf die Ebene, deren Maskierung Sie zuvor entfernt haben, und laden dort über das Auswahlmenü die invertierte Fassung der Ebenentransparenz.



Kehren Sie nun auf die oberste Ebene zurück und löschen den ausgewählten Bildteil.



Setzten Sie den Ebenenmodus auch hier auf "Farbig abwedeln" und bearbeiten die Ebene abschließend mit den Gradationskurven bis Ihnen der Effekt gefällt.

von Christoph Künne

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