Archiv

Intensivkurs: Text und Typoeffekte 4/5



Das Textwerkzeug

Um die Qualität des aktuellen Textwerkzeugs von Photoshop in vollem Umfang würdigen zu können, muss man sich nicht nur vor Augen führen, wie vor dem Einzug der digitalen Bildbearbeitung Text aufs Bild gebracht wurde, sondern auch mit welch rudimentärer Funktionalität die ersten Versionen von Bildbearbeitungsprogrammen ausgestattet waren. Im analogen Labor wurden zum Beispiel bei Planfilmen entweder die Negative selbst an den Seiten von speziellen Fotosatzbelichtern nachbelichtet, oder man erzeugte für die Beschriftung von Abzügen in kleineren Auflagen ebenfalls im Fotosatz (zum Beispiel mit dem ab 1966 von der Berthold AG gebauten „Staromat“) Filmstreifen, die anschließend im Kontaktverfahren bei der Bildbelichtung mit aufs Fotopapier gelegt wurden. Im Gegensatz zu diesen nicht nur teuren, sondern auch zeitaufwendigen Verfahren schienen die ersten Photoshop-Textwerkzeuge in der Version 2 wie ein Geschenk des Himmels – zumindest für jene, die der Technik gegenüber aufgeschlossen waren und nicht um ihren Arbeitsplatz fürchteten. In dieser Version gab es zwar nur einen Texteditor ohne WYSIWYG-Funktionalität, und man konnte den eingegebenen Pixeltext nach der Bestätigung des Dialogs nur noch solange mit Filtern oder Einstellungsdialogen bearbeiten, wie die automatisch erzeugte Auswahl aktiv war. Danach wurde er fast unwiderruflich – lediglich durch einen einzigen „Zurück“-Schritt korrigierbar– mit den Pixeln des Untergrunds verschmolzen. Nur die Beherrscher von Alpha-Kanälen konnten sich etwas mehr Flexibilität und Bearbeitungsoptionen verschaffen. Allerdings mussten Ihre Rechner dazu mit Unmengen teuren RAMs aufgerüstet sein. Wer damals einen Mac besaß, der soviel Arbeitsspeicher unterstützte, und 32, 64 oder gar 128 Megabyte sein Eigen nannte, galt als Krösus unter den Pixelschubsern, da hierfür Anfang der neunziger Jahre der Gegenwert von vielen tausend Euro hingeblättert werden musste. Windows-Rechner waren in dieser Klasse fast noch gar nicht verfügbar, und für die leistungsstarken UNIX-Workstations gab es Photoshop erst ab Version 3. Diese Version kannte dann zwar schon Ebenen, aber richtige Typofunktionen, die diesen Namen auch nach heutigen Maßstäben verdienten – das heißt ohne separaten Texteditor daherkamen, und deren Ergebnisse sich auch nach dem Speichern noch verändern ließen – gab es im Grunde erst nach Einführung der Textebenen in Photoshop 6. In dieser Version ließen sich die Bilder auch inklusive der vektorbasierten Textinformationen im Photoshop-PDF-Format sichern. Seither wurden im typografischen Bereich in Grunde nur noch ein paar Feinheiten optimiert.



Textwerkzeug und Textebenen

Wer heute das Textwerkzeug auf ein Bild anwendet, erzeugt dabei automatisch eine neue Textebene, deren Name sich aus den ersten eingegebenen Zeichen ergibt. Textebenen lassen sich durch die aus einem „T“ bestehende Ebenenminiatur in der Ebenenpalette leicht erkennen. Wenn Sie das Text-Werkzeug in der Werkzeugpalette anklicken, stehen Ihnen in der Optionspalette vielfältige Einstellungen für die Textparameter zur Verfügung. Hier legen Sie – möglichst vor der Texteingabe – neben Schriftart und -auszeichnung, die Textgröße, die Kantenschärfe, die Absatzausrichtung und die Textfarbe fest. Alle diese Parameter orientieren sich an der letzten vorgenommenen Texteingabe. Weitere Feineinstellungen wie Zeilenabstände, Laufweite oder Grundlinienversatz sowie die Formatierung des Absatzes legen Sie mit den Paletten „Zeichen“ und „Absatz“ fest, die Sie im Menü „Fenster“ aufrufen. Schwierig wird es, wenn Sie zwei Textelemente übereinander anlegen wollen. Normalerweise lässt sich dort keine neue Textebene setzen, wo schon eine liegt. Als Alternative dupliziert man die erste Ebene, ändert den Text und verschiebt ihn. Einfacher ist es jedoch, beim Klick an die Stelle, wo der neue Text beginnen soll, die Shift-Taste gedrückt zu halten. Dann gibt es keine Kollision.


Mehr Intensivkurse zum Thema Text und Typoeffekte finden Sie hier.


DOCMA-Photoshop Enzyklopädie



Dieser Intensivkurs ist einer von vielen hundert, die Sie auf der DVD-Edition der Photoshop-Enzyklopädie finden. Mehr Infos

von Christoph Künne