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Illustrative Collagen




Bildcollagen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Fotografie, Grafik und Malerei. Doch wer neben einer Kamera auch ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop besitzt, der kann sich getrost vom analogen Teil der Arbeit mit Pinsel und Zeichenstift verabschieden.

Natürlich gibt es Fotocollagen nicht erst seit Erfindung der digitalen Bildbearbeitung. Sie haben Ihre Ursprünge in der Dada-Bewegung im Berlin der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals hatten die Vertreter der Dadaisten, zu denen unter anderem die später sehr bekannten Collagisten George Grosz und John Heartfield zählten, es sich auf die Fahne geschrieben, über die Kombination verschiedener zusammenhangsloser Elemente zu einer neuen, heute würde man sagen fraktalen, Bildform zu finden. Zwar wurde den Ergebnissen ein hoher künstlerischen Wert zugeschrieben, doch erschienen sie nicht nur für den damaligen Zeitgeschmack alles andere als gefällig. Ihre rauhe und vielfach gebrochen wirkende Ästhetik verlieh Fotocollagen lange Zeit eine Aura des Besonderen. Sie blieben mehr künstlerisches Ausdrucksmedium mit provokativem Beigeschmack, als dass sie zur grafischen Alltagserscheinung in Werbung und Illustration geworden wären. Das lag zum Großteil an der Aufwändigkeit ihrer Herstellung. Schließlich mussten die Produzenten mehrere Abbildungstechniken beherrschen. Und was dann am Ende herauskam, entsprach in ästhetischer Hinsicht nicht unbedingt der darauf verwandten Zeit. Gerade die Integration von Fotos war, wenn man nicht eine Lithografenausrüstung sein Eigen nannte, von deutlich sichtbaren harten Brüchen und Kanten begleitet. Weiche Übergänge, die den Arbeiten den Charme des Selbstgemachten nahmen, wurden in einem überschaubaren Kostenrahmen erst mit der Verbreitung von Computer mit leistungsfähiger Grafik möglich. Seither sind sie aus Magazinen und Zeitungen ebenso wenig wegzudenken wie aus Fachbüchern und dem Fernsehen. Was in diesem Feld Künstler wie Alicia Buelow, Wendy Grosman, Diane Fenster oder Jeff Brice produzieren, kommt zumeist gänzlich ohne kritisches Potenzial daher, sondern ist einfach als Balsam fürs Auge gedacht. Illustrative Visualisierung eines Themas, erzeugt mit den Möglichkeiten moderner EBV-Tools. So ist es denn auch kaum verwunderlich, wenn einige dieser Gestalter ihre Wurzeln nicht unbedingt in der künstlerischen Avantgarde, sondern in großen Softwarehäusern haben. Vielleicht ist auch nur meine Sichtweise antiquiert und deratige Verbindungen von Kunst und Kommerz besitzen inzwischen Avantgardestatus. Wer weiss. In jedem Fall kann man den technische Hintergrund zur Erzeugung solch moderner Collagen auch ohne künstlerischen Impetus erlernen. Und genau damit beschäftigt sich dieser Workshop.



Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken.

Registrierte Dogmatiker können die Arbeitsmaterialien herunterladen. Um den Downloadlink am Ende des Workshops zu sehen, müssen Sie eingeloggt sein.




Bildauswahl

Zunächst einmal braucht man eine ganze Reihe von Ausgangsbildern. Dabei kommt es weniger auf die meisterhafte fotografische Qualität, als vielmehr auf die Berücksichtigung einiger Faktoren an: Zunächst sollte ein Bild dabei sein, das sich der Illustration zugrundelegen läßt. In unserem Bespiel haben wir eine verschimmelte Frucht auf einem ausgeblichenen hölzernen Untergrund gewählt. Wenig Motiv, viel Struktur und viel Raum für weitere Collageelemente. So könnte man den idealtypischen Grundbaustein beschreiben. Bei allen weiteren Bildern eignen sich generell abstrakte Strukturfotos und Detailaufnahmen.



Warme weiche Stimmung

Unser Ausgangsbild ist im Ausgangszustand etwas bläßlich. Um die Farbigkeit zu verstärken, duplizieren Sie einfach die Hintergrundebene und setzten Sie den Verrechnungsmodus der Kopie auf „Ineinanderkopieren“ bei 100 Prozent Deckkraft. Nun beginnt das Holz zu leuchten. Durch die Anwendung des Gaußschen Weichzeichners auf die Ebene veredeln Sie die Anmutung nochmals.



Dunkler Rand

Ein dunkler Bildrand grenzt nicht nur das Bild ein, sondern betont auch die Bildmitte. Erzeugen Sie erneut eine Kopie der Hintergrundebene und schieben Sie diese an die oberste Stelle der Ebenenhirarchie. Nun wählen Sie mit dem Auswahlrechteck den Bereich aus, den Sie umranden wollen, und weichen die Auswahlkante erheblich ein. Löschen Sie die Auswahl anschließend und setzten den Verrechnugsmodus auf „Farbig nachbelichten“. Wenn Ihnen der  Rand noch nicht dunkel genug erscheint, können Sie die Ebene noch mit der Gradationskurve nachbearbeiten. Eine unreglmäßigere Form erhalten Sie, wenn Sie einfach Teile des Rahmens mit dem Radiergummitool bei weicher eingestellter Werkzeugspitze entfernen.



Mehr Struktur

Noch erinnert das ganze sehr an den Holzgartentisch des Ursprungsbildes. Um die Struktur des Untergrunds zu verfremden, kopieren Sie das zweite Ausgangsbild, das eine Grünpflanze zeigt, als weitere Ebene unterhalb des Rahmens ein und setzten Sie den Verrechnungsmodus der Ebene erneut auf „Farbig abwedeln“ bei einer Deckkraft von etwa 40 Prozent. Der Tisch bleibt zwar erkennbar, wird jedoch durch das subtil aufgetragene unregelmäßige Muster belebt.



Mehr Leuchtkraft

Die Farbgebung des Bildes haben Sie nach dem Aufruf des Dialogs „Farbton/ Sättigung“ voll unter Kontrolle. Über den Farbtonregler beeinflussen Sie die Grundfärbung, die Sättigungseinstellung regelt die Leuchtkraft.

Sofern Sie vorhaben, das Bild nach der Bearbeitung auszudrucken, sollten Sie, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden, vor dem Experimentieren im Menü „Ansicht“ die CMYK-Vorschau aktivieren. Photoshop zeigt dann die simulierte Druckversion der Farben an.


Elemente betonen


Um Bildelemente in Illustrationen hervorzuheben, gibt es zwei - durchaus kombinierbare - Methoden. Die erste besteht darin, das zu betonende Objekt als weitere Ebene einzufügen. Kopieren Sie hier die Birne per grober Rechteckauswahl aus der Hintergrundebene und fügen Sie sie als neue Ebene unterhalb des Rahmens ein.


Mit Hilfe einer Ebenenmaske entfernen Sie die zuviel ausgewählten Bildteile und setzen anschließend den Verrechnungsmodus auf „Hartes Licht“, um die Konturen zu betonen. Wem das noch nicht reicht, der kann die neue Ebene mit dem Unscharfmaskierungsfilter nachbearbeiten.


Während man die vorgenannte Methode auch bei normalen Bildern einsetzten kann, ist der Lichtkreis eigentlich nur Illustrationen vorbehalten. Erzeugen Sie zunächst eine runde Auswahl mit etwas Abstand um das Objekt. Anschließend wandeln Sie den Bereich mit dem Befehl „Umrandung“, den Sie im Auswahlmenü unter „Auswahl verändern“ finden, in einen Ring.


Mit einer neuen Einstellungsebene der Art „Farbton/ Sättigung“ haben Sie alles, was Sie für den Lichtkreis brauchen. Soll der Kreis einfach nur hell sein, schieben Sie den Lab-Helligkeitsregler ein ganzes Stück weit nach rechts. Sofern Sie eine farbige Variante bevorzugen, aktivieren Sie zunächst den Schalter „Färben“ und setzten anschließend mit allen drei Reglern Ihre Farbvorstellungen um.


Textintegration


Zu einer „richtigen“ Collage gehören auch typografische Elemente. Hier kann man natürlich auch Fotos von Zeitungsschlagzeilen, bedruckten Objekten oder alten Handschriften einsetzten. Wir haben als drittes Ausgangsbild ein Arztrezept mit grafischen Elementen eingefügt und es in der Ebenenhirarchie gleich über der Ausgangsebene angeordnet.


Je nachdem wie stark man den Text in der Bildkomposition hervorheben möchte, kann man die Ebene auch noch mit Einstelldialogen wie der Gradationskurve oder einfacher mit der Deckkraftregelung in der Ebenenpalette abstimmen.


Doch auch Photoshops Textwerkzeug bietet ab der Version 5 breite Anwendungsmöglichkeiten zur Integration von Schriftelementen in eine Collage. Aktivieren Sie dazu das Tool in der Werkzeugpalette, wählen Sie Schrift, Größe und Farbigkeit nach den Gegebenheiten im Bild und tragen Sie ein Wort in die Dialogbox ein.


Damit der Text nicht so flach wirkt, können Sie ihn mit Hilfe der Ebeneneffekte ein wenig aufstylen. Aktivieren Sie die Effektoptionen zur Erzeugung eines Schlagschattens und die Einstellungen „Abgeflachte Kante und Relief“. Wenn Sie zufrieden sind, rendern Sie die Textebene, damit man sie im wieteren Arbeitsverlauf wie eine normale Bildebene nachbeabreiten kann.


Nun ist der Text zwar in der Wirkung dreidimensionaler, doch erscheint er immer noch wie ein Fremdkörper im Bild. Sie entfernen die störende Glätte mit Hilfe von Filterfunktionen. Hier haben wir zunächst den Verwackelungseffekt und später den Körnungseffekt angewandt. Doch das ist nur ein versuchsweiser Ansatz. Bei dieser Anpassung bietet sich viel Raum für eigene Versuche.


Zur besseren Integration ins Bild verschieben Sie auch hier die Ebene weiter nach unten und setzen den Verrechnungsmodus auf „Aufhellen“ bei etwa 75 Prozent Deckkraft.



Farbspiele

Monochrome und andersfarbige Variationen des Bildes erhalten Sie, indem Sie an die oberste Position der Ebenenpalette eine neue, leere Ebene einfügen und diese komplett mit einer hellen Farbe Ihrer Wahl füllen. Durch einfaches Herumprobieren mit unterschiedlichen Verrechnugsmodi in Kombination mit dem Dialog „Farbton/ Sättigung“ steht Ihnen ein breites Spektrum andersartiger Farbgestaltungsoptionen zur Verfügung.

von Christoph Künne
dostyol schrieb am 22.10.2007 19:11
ich finde es toll, wie man mit Photoshop alles verarbeiten kann
dostyol schrieb am 22.10.2007 19:11
ich finde es toll, wie man mit Photoshop alles verarbeiten kann

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