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FIDIUS-Fliegenfänger für unfaire Ausschreibungen


Designer machen zunehmend die Erfahrung, dass ihre schöpferischen Leistungen von Verwertern als willkommene Ideenquelle genutzt werden. Ein beliebtes Mittel sind Design-Wettbewerbe, deren Bedingungen häufig zugunsten der Veranstalter konzipiert sind. Daher gründeten Rechtsanwälte und Designschaffende 2006 den Verein FIDIUS – Faire Designwettbewerbe, um künftig mehr Fairness für Wettbewerbsbedingungen zu erreichen.

Ein Jahr lang hat FIDIUS eine Vielzahl von Design-Wettbewerben durchleuchtet, diskutiert und bewertet, die dem Verein übermittelt wurden. Überwiegend gingen Beispiele für unfaire Ausschreibungen ein. Im Ergebnis stehen vier „Negativpreise“ fest, aufgeteilt für die Bereiche Foto-, Mode- Produkt-, und Kommunikationsdesign. Als Lichtblick gibt es aber auch eine positive Meldung, und zwar einen Sonderpreis für einen vorbildlichen Wettbewerb. In Anwesenheit namhafter Designer wurde am 24.8.2007 im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin die Preisverleihung vorgenommen.

4 FIDIUS-Fliegenfänger für unfaire Ausschreibungen

Die Negativ-Preise gehen an bekannte Unternehmen bzw. Institutionen, welche die Arbeit professioneller Gestalter als Selbstbedienung betrachten und aus dem Wettbewerb vorwiegend eigene Vorteile ziehen. Sie alle erwartet mit dem Negativ-Preis, der mit einem Fliegenfänger symbolisiert ist, ein öffentlicher Rüffel - zugleich aber auch die dringende Aufforderung, künftige Ausschreibungen zugunsten der Urheber positiv zu verändern.  

Je ein FIDIUS-Fliegenfänger geht in den Bereichen Kommunikations- und Modedesign an die Brauereien Becks und Bitburger sowie im Bereich Fotodesign an den Automobil-Hersteller Mazda, konkret für die Wettbewerbe „Beck`s it“, „Passion is fashion“ und „Zoom-Zoom“. Erschreckend ist bei allen drei Ausschreibungen die geringe Wertschätzung von Leistung und Urheberschaft, indem sich die Veranstalter allein durch die Einreichung sämtliche Rechte an allen Arbeiten sichern.

Der vierte Fliegenfänger geht im Bereich Produktdesign an das Ministerium für Wirtschaft und Technologie der Bundesrepublik Deutschland und den Rat für Formgebung als ausschreibende Institution des „Designpreises der Bundesrepublik Deutschland“. Dieser als „Preis der Preise“ hervorgehobene Wettbewerb beinhaltet eine Fülle von Mängeln, welche die Veranstalter trotz öffentlicher Kritik und einer mehrstündigen Diskussion mit FIDIUS im Wirtschaftsministerium nur ansatzweise behoben  haben.

Tausende von Kreativen erhalten alljährlich die frohe Kunde, für diese besondere Auszeichnung „nominiert“ zu sein. Dafür zahlen sie in Unkenntnis der nominierten Massen 210,- Euro und hoffen auf die in Aussicht gestellte Superchance, einer von 25 endgültig ausgewählten Teilnehmern zu sein, die dann  wirklich den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ erhalten, wofür allerdings noch einmal ein Betrag von 2 900,- Euro zugunsten des Veranstalters fällig wird. Auf diese Art und Weise kamen 2006 rund 270 000,- Euro zusammen, womit sich jeder der Auserwählten seinen Preis teuer erkauft hat.

Die Frage von FIDIUS, wie groß die Zahl der „Nominierten“ tatsächlich ist und auf welcher Grundlage diese „Nominierten“ ermittelt werden, konnte weder vom Ministerium noch vom Rat für Formgebung beantwortet werden. Das Verfahren bleibt undurchsichtig.

FIDIUS-Leuchtturm für eine faire Ausschreibung

Als leuchtendes Beispiel wird die Ikea-Stiftung von FIDIUS mit einem Sonderpreis bedacht. Sie hat zu ihrem 25jährigen Bestehen einen Wettbewerb zum Thema „Wohnen in der Zukunft“ ausgeschrieben, der die wichtigsten Voraussetzungen für einen vorbildlichen Wettbewerb erfüllt. Und es wurden nach Auskunft der Institution 10 mal 25 000,- Euro ausgegeben, so dass die prämierten Konzepte auch realisiert werden können. Die Ikea-Stiftung hat aus Sicht von FIDIUS den Positivpreis in Form eines Leuchtturmes klar verdient.

FIDIUS kann mit dieser erstmals stattfindenden Negativ- bzw. Positiv-Proklamierung nicht von heute auf morgen unfaire Wettbewerbe verhindern. FIDIUS wird allerdings die jährliche Bewertung und Vergabe so lange fortführen, bis sich ein für beide Seiten - ausschreibende  Unternehmen und Designer - ausgewogenes Verhältnis eingestellt hat.

Quelle:  FIDIUS – Faire Designwettbewerbe e.V.

 

von Johannes Wilwerding

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